Newsletter:
 
Black Death

Mystery | D | 2010
Dass sich gerade bei ostdeutschen Zuschauern ein leichtes Gefühl der Heimatverbundenheit einstellen könnte, wenn sie den Blick einmal vom deftigen Gemetzel ablenken und auf den Hintergrund von "Black Death" richten, hat seine Gründe. Es wurde nicht nur in den Wäldern Sachsen-Anhalts und Brandenburgs gedreht, sondern vor allem mit einer ganzen Armada an vor Ort gecasteten Statisten. Die bieten einen angemessenen, weil spröden Hintergrund für einen im England des 14. Jahrhundert angesiedelten Film, der routiniert Mystery-Thriller, Historienschinken und deftigen Horror verbindet und nichts für schwache Nerven ist.

Leichte historische Unschärfen - der Film vermischt nicht nur, was die Kostüme angeht, Mittelalter und frühe Neuzeit und lässt Hexenverbrennungen und Pest der Einfachheit halber zur gleichen Zeit stattfinden - sollte man dabei ignorieren. Dass Christopher Smiths Stärken woanders liegen, wissen Genrefreunde spätestens seit dem klug und immer an der Realität vorbei inszeniertem Psychohorror-Schocker "Triangle" (2009). Auch wenn "Black Death" auf den ersten Blick näher an einer - wenn auch brutalen, aber aufgrund der Umstände durchaus glaubwürdig erscheinenden - Wirklichkeit verankert ist, sich am Anfang fast als Chronik zu verstehen scheint, verlässt sich Smith hier auf ähnliche Stärken. Geschickt spielt er mit den Elementen christlicher Mystik, wenn er von einem Dorf erzählen lässt, dass vom titelgebendem "Schwarzen Tod" verschont bleibt. Der Verdacht: Dort sitzen die, die den rechten Weg verlassen haben. Die Schuldigen an der Pest.

Es ist ein Männerbund, der sich auf den Weg macht, um der Sache auf den Grund zu gehen, und die Motive der Beteiligten sind verschieden. Einmal ist da Ulric (Sean Bean), ein Ritter, der im Auftrag der Obrigkeit das geheime Dorf, irgendwo versteckt in den weiten Wäldern Englands, finden soll und dazu einen Trupp ebenso gefährlicher wie verrohter Kämpfer an die Seite gestellt bekommen hat. An seiner Seite reitet der junge Mönch Osmund (Eddie Redmayne), dessen Motive zunächst sehr weltlicher Natur sind. Ihre Widersacherin ist eine ebenso klug angelegte wie souverän dargestellte Symbolfigur des Bösen: Langiva (Carice van Houten) führt das Dorf, an dem die Pest bisher vorüberging. Eine Frau, deren Gerissenheit und Gefährlichkeit ebenso schnell erkennbar sind wie ihre Reize ...

Religiöser Fundamentalismus und die damit verbundene Suche nach Erlösung, die Angst vor der einen, die Menschheit auslöschenden Epidemie und, quasi als Grabbeilage, noch eine durchaus romantische Liebesgeschichte: Es ist verblüffend, wie beherzt Smith seinen Film an der Gegenwart andocken lässt. Dass er sich auch ohne derlei Bezüge genießen lässt, liegt vor allem an seiner originellen Bildsprache. Auch wenn in Sachen Handlung und Selbstverständnis durchaus auf Klassiker - etwa Jean-Jacques Annauds "Der Name der Rose" - bezieht, verzichtet er auf jede Eleganz in der Darstellung. Sein England kommt als trüb-vernebeltes Stahlbad daher, in dem die Farben Unfarben sind und die Landschaften in ihrer Weite nicht erhaben, sondern nur hoffnungslos erscheinen, und in dem die Bilder manchmal kurz vorm Umkippen sind. Dass oft genug Handlung durch kaum codierte Gewalt ersetzt wird, ist natürlich genreimmanent und für Smiths Anhängerschaft vermutlich ein Fest. Der Mainstream-Zuschauer dürfte sich an anderer Stelle aufgehoben fühlen, etwa in Redmaynes Spiel, das durchaus leise Zwischentöne erlaubt.
Jochen Overbeck

Ulric (Sean Bean, Mitte) führt eine Gruppe Haudegen an, die schlimmes in dem mysteriösen Dorf vermutet. (Wild Bunch / Central Film)
Mit dieser Frau ist nicht zu spaßen: Langiva (Carice van Houten) steht den Bewohnern des geheimnisvollen Ortes vor. (Wild Bunch / Central Film)
Gewalt ist keine Lösung, ist in historischen Thrillern ein gern gewählter Dialogersatz. (Wild Bunch / Central Film)
Es sieht nicht gut aus für Ulric (Sean Bean). (Wild Bunch / Central Film)
(Wild Bunch / Central Film)
(Wild Bunch / Central Film)
(Wild Bunch / Central Film)
(Wild Bunch / Central Film)
(Wild Bunch / Central Film)
(Wild Bunch / Central Film)
(Wild Bunch / Central Film)
(Wild Bunch / Central Film)
(Wild Bunch / Central Film)
Regie:
Starttermin:
Christopher Smith
09.09.2010
Schauspieler: Sean Bean
Carice van Houten
Eddie Redmayne
weiterführende Links:
  Homepage des Films
  Homepage des Verleihs
  Fanpage Sean Bean
  Fanpage Eddie Redmayne (engl.)
  Homepage Carice van Houten (engl.)

Weitere Themen, gute Infos und spannende News aus dem Bereich Entertainment findet ihr hier!

powered by _teleschau - der mediendienst