ADAC Unfallforschung: Motorrad-ABS ist dringend notwendig

 

Das EU-Parlament stimmt demnächst über die Pflicht zum Einbau eines ABS in Motorräder ab. Wir vom ADAC meinen: Dies ist ein dringend notwendiger Schritt für mehr Verkehrssicherheit!

Im Vorfeld der Abstimmung im EU-Parlament zur verbindlichen Ausstattung von Motorrädern mit Antiblockiersystemen (ABS) wollen wir dringend die lebensrettende Wirkung des Bremsassistenzsystems betonen. ABS sollte schnellstmöglich bei allen neuen Motorradmodellen vorgeschrieben werden.

ABS nicht nur für große Maschinen, sodnern auch für die Kleinen!
Die derzeit diskutierte Einführung für Motorräder mit mehr als 125 cm³ Hubraum (Klasse L3e A2 und A3) – ab 2016 für neue Typen und ab 2017 für alle neu zuzulassenden Fahrzeuge – ist ein sehr guter, aber nur ein erster Schritt auf dem Weg zu einer umfassenden ABS-Pflicht für alle Fahrzeuge der Klasse L3e, also auch für Leichtkrafträder mit einem Hubraum ab 50 cm³ bis 125 cm³.
Der zur Abstimmung stehende Verordnungsvorschlag sieht eine verpflichtende Ausstattung der Leichtkrafträder mit entweder einem Antiblockiersystem oder einem Kombi-Bremssystem vor. Diese alternative Ausrüstung von Leichtkrafträdern sollte den Herstellern möglichst bald nicht mehr gegeben werden. Der Blockier- und Sturzverhinderer, das ABS, muss unserer Meinung nach unbedingt den Vorrang bekommen.

Unfallforschung bestätigt: ABS schützt vor Unfällen
Seit vielen Jahren setzen sich unsere ADAc Experten für einen verpflichtenden Einbau von ABS bei motorisierten Zweirädern ein. Grundlage unserer Forderung sind die Daten der ADAC Unfallforschung, die seit mehr als sieben Jahren auch Motorradunfälle in Deutschland auswertet (Siehe zweiter Reiter dieser Seite und Film oben.).
Klares Ergebnis: In 21 Prozent der Fälle hätte der Einsatz eines ABS den Unfall verhindert oder die Unfallfolgen reduziert. 45 Prozent der Alleinunfälle ohne Fremdbeteiligung hätten bei Einsatz des ABS vermieden werden können.

Die meistenvon euch Motorradfahrern wissen das und kennen auch ihren Sicherheitsgewinn durch ABS. Deswegen sind bereits heute über zwei Drittel der neu zugelassenen Motorräder mit Antiblockiersystem ausgerüstet. Mit der nötigen Übung kann mit ABS auch unter schwierigen Bedingungen deutlich effektiver und sicherer abgebremst werden.

21 Prozent aller Motorradunfälle könnten mit ABS verhindert werden!

Laut unserer ADAC Unfallforschung hätten 21 Prozent aller Motorradunfälle verhindert werden können, wenn die motorisierten Zweiräder mit einem Antiblockiersystem (ABS) ausgestattet gewesen wären. Zumindest aber hätten die Unfallfolgen mit ABS gemindert werden können. Und: Sogar 45 Prozent aller Unfälle, in die nur ein Motorrad involviert war (Alleinunfälle), wären durch ABS vermeidbar gewesen. Aufgrund der deutlich verbesserten Verkehrssicherheit durch das ABS fordern wir, dass dieses Plus an Sicherheit zukünftig für möglichst alle Motorradmodelle angeboten wird.

Grundlage der ADAC Unfallforschung, die seit 2005 Daten ermittelt, sind unter anderem Aufnahmen der ADAC Luftrettung. Inzwischen wurden 1 507 Unfälle mit Motorradbeteiligung analysiert. Der Anteil der Alleinunfälle ist mit 47 Prozent sehr hoch. 53 Prozent der Fälle ereigneten sich mit weiteren Unfallbeteiligten, dazu zählen etwa Kollisionen zwischen Motorrad und Pkw.
  

ABS zeichnet sich vorrangig in Situationen aus, in denen ihr als Fahrer den Untergrund nicht abschätzen könnt und dann aus Furcht vor einem Sturz nicht mit der optimalen Verzögerung abbremst. Aber auch andere Fahrfehler, wie Überbremsen oder Schreckbremsung, können durch das Fahrerassistenzsystem wirksam verhindert werden.

Ein weiteres Ergebnis der Forschung: Kollisionsunfälle, in die Motorräder verwickelt sind, werden häufig durch andere Verkehrsteilnehmer verursacht. So nehmen Pkw-Fahrer die Biker nicht oder zu spät wahr. Die Geschwindigkeit mit der sich Motorräder den Autos nähern, wird oft unterschätzt.

Um den gesamten Sicherheitsgewinn eines ABS auszunutzen, solltet ihr als Motorradfahrer das Bremsen mit diesem System in geeigneten Trainingskursen lernen. Durch praktische Bremsübungen seid ihr Biker besser auf kritische Verkehrssituationen vorbereitet. Um die Verkehrssicherheit insgesamt zu erhöhen, reicht es nicht, nur mehr Motorräder mit ABS auszustatten. Auch die Politik ist gefragt: Beispielsweise müssen Fahrbahnen vor Kurven überprüft und gegebenenfalls Instand gesetzt werden. Sichtbehinderungen an Verkehrsknotenpunkten oder Kreuzungen sollten entfernt werden.



Die Ergebnisse eines Praxistests von ABS-Bremsen in Motorrädern, sowie Bremstipps von unseren Experten findest du hier.