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Gebrauchtwagenratgeber

 
Gebrauchtwagen beim Händler oder von privat kaufen?



Wenn du dich für ein Modell entschieden hast, stellt sich die Frage
wo und wie du kaufen solltest – vom Händler oder privat ?

Die wichtigsten Vorteile beim Kauf vom Händler sind:

  • Mindestens ein Jahr Sachmängelhaftung, bei der in den ersten sechs Monaten die Beweislastumkehr greift. Der Händler muss in dieser Zeit nachweisen, dass bei Fahrzeugübergabe der reklamierte Mangel noch nicht vorhanden war.
  • Du kannst als Käufer davon ausgehen, dass der Fachmann das Fahrzeug vor dem Verkauf technisch überprüft und evtl. vorhandene Mängel beseitigt hat.
  • Da der Händler in der Regel über eine Werkstatteinrichtung verfügt, kann das Auto auch meist von unten auf der Hebebühne besichtigt werden.
  • Beim Fachhändler findest du meist junge Fahrzeuge (bis 4 Jahre), so dass mit wenig zeitlichem Aufwand viele Fahrzeuge desselben Modells zum Vergleich zur Verfügung stehen.


Die wichtigsten Vorteile beim Kauf von Privat sind:

  • Niedrigerer Anschaffungspreis, da der Privatanbieter keine Aufschläge für Prüfarbeiten und Eigenaufwand (Vermarktung, Personal) in seiner Preiskalkulation hat.
  • Der Käufer hat die Möglichkeit, den Vorbesitzer und dessen Umfeld persönlich kennenzulernen. Damit kann er sich direkt zum bisherigen Fahrzeugleben aus erster Hand erkundigen und daraus möglicherweise wichtige Rückschlüsse ziehen.


Fazit: Für den unerfahrenen Käufer, der keinen Fachmann an der Hand hat oder lieber auf Nummer sicher gehen will und dabei viele Fahrzeugmodelle unter einem Dach anschauen möchte, ist der Händler die bessere Adresse.
Wer möglichst preisgünstig kaufen möchte und sich fachlich kompetent genug fühlt, für den kann der Kauf von Privat vorteilhafter sein.
In jedem Fall bringt aber eine vorherige Gebrauchtwagenprüfung noch mehr Sicherheit beim Kauf eines Gebrauchtwagens.
Der ADAC bietet dir bundesweit Gebrauchtwagenuntersuchungen in seinen
Prüfzentren und bei ADAC-Vertragssachverständigen an.


Rost am Auto – (k)ein Thema ?

Autos sind nicht für die Ewigkeit gebaut – noch in den 80er Jahren waren bei einigen Fahrzeugmodellen nach rund fünf Jahren erhebliche Karosserie-
Instandsetzungen nötig, um die Hauptuntersuchung zu bestehen.
Alle Hersteller haben seither erhebliche Bemühungen in einen besseren Korrosionsschutz investiert. Neben beständigeren Stahlsorten und Grundierungs- sowie Lackierungsverfahren haben fast alle Hersteller mit voll- und teilverzinkten Blechen in den besonders korrosionsgefährdeten Bereichen und aufwändiger Wachskonservierung dem Rostfraß wirksam Einhalt geboten.
Die Autos von Herstellern wie Fiat, die ein negatives Rostimage hatten, sind seit mehr als zwanzig Jahren in Sachen Rost ziemlich unauffällig und problemlos.
Wie sieht es aber mit dem Rost bei modernen Autos aus? Einen Überblick verschafft die Analyse des ADAC Mängelforums, einer Datenbank, in der alle Mängel, die uns die Mitglieder melden, gesammelt werden.
Dabei bestätigt sich ein allgemein geringes Rostrisiko. Auffällig sind nur einzelne Fahrzeugmodelle, meist in begrenzten Bauzeiträumen (z.B. Ford Mondeo und Fiesta, Schwerpunkt Baujahr 2003, oder Mazda 6, Toyota Corolla und Peugeot 407 mit nur wenigen Fällen, die aber bereits bei jüngeren Baujahren nach 2004 festzustellen waren).

Fazit:
Rost im Karosseriebereich ist schon seit den Neunzigern kein wirklich ernsthaftes Thema mehr bei Gebrauchtwagen. Wenn sich Fälle in der Praxis zeigen, wie die obigen Beispiele unseres Mängelforums, so sind diese nur auf bestimmte Einzelmodelle und Bauzeiten begrenzt, in denen der Hersteller spezifische Qualitätsprobleme hatte.
Auch wenn Rost mittlerweile am Auto kein Thema mehr ist, solltest du dennoch genau hinschauen, zumal auch eine schlechte Pflege und Wartung (z.B. schadhafter, nicht ausgebesserter Unterbodenschutz) vorzeitig Rostschäden provozieren können.
 

Tipps zur Probefahrt

Wenn du alle wichtigen Details mit dem Verkäufer geklärt hast und das Fahrzeug nach gründlicher Prüfung zum Kauf in Frage kommt, ist es an der Zeit, eine Probefahrt zu machen. Grundregel dabei: „Vier Augen und Ohren sehen und hören mehr als zwei“. Deshalb solltest du zumindest einen möglichst kritischen und kundigen Begleiter zur Probefahrt mitnehmen.
Auf die folgenden Punkte solltest du bei der Probefahrt auf jeden Fall achten:

  • Die Probefahrt sollte lang genug sein und ohne Zeitdruck erfolgen und der Streckenverlauf den ganzen Geschwindigkeitsbereich abdecken (Sowohl innerorts als auch BAB fahren!).
  • Darauf achten, dass der Motor sofort anspringt, rund läuft und spontan auf das Gaspedal reagiert.
  • Die Kupplung sollte schlupffrei greifen und sich gut dosieren lassen.
  • Das Getriebe sollte sich möglichst leicht und geräuschlos schalten lassen.
  • Bei geöffnetem Fenster auf auffällige Geräusche von Motor, Getriebe, Auspuff etc. achten.
  • Beim langsamen Anfahren mit stark eingeschlagener Lenkung auf Knackgeräusche der Antriebswellen und Radlager achten. Reagiert die Lenkung bei Lenkmanövern spontan und ohne Geräusche?
  • Wenn oberhalb von 80 km/h das Lenkrad vibriert, ist dies möglicherweise auf Unwuchten oder Schäden an den Rädern und/oder Fahrwerksgelenken zurückzuführen.
  • Schlechtem Geradeauslauf/schiefe Lenkradstellung kann ein Hinweis auf eine fehlerhafte Achsgeometrie sein.
  • Beim Probebremsen (Achtung: Möglichst nur auf abgelegenen Straßen mit vorheriger Absicherung nach hinten bremsen!) sollte das Fahrzeug nicht schiefziehen, die Bremse spontan ansprechen und keine Geräusche machen. Wenn nach dem Bremsen die Felgen heiß wurden, ist die Bremse auf Freigängigkeit zu prüfen.
  • Eine Fahrt auf holpriger Strecke offenbart meist bestehende Fahrwerksschäden und defekte Stoßdämpfer.
  • Erst bei höherer Geschwindigkeit (>100 km/h) sind in der Regel erhöhte Windgeräusche wegen gerissener Türdichtungen o.ä. festzustellen.
  • Während der Probefahrt auch auf Anzeigeinstrumente (wie Tachoanzeige, Bordcomputer etc.) und deren Funktion achten.
  • Nach der Probefahrt die Motorhaube öffnen und auf mögliche Undichtigkeiten (Kühlwasser, Ölverlust) achten.

Fazit:
Wenn dir bei der Probefahrt Punkte aufgefallen sind für die der Verkäufer keine plausible Erklärung liefern kann, im Zweifelsfall mit dem Verkäufer eine neutrale Prüfmöglichkeit (z.B. durch ADAC Prüfzentrum) vor Kaufabschluss vereinbaren.
 
 
Mängel am Gebrauchtwagen – Verschleiß oder Sachmangel?

Hat der Interessent ein Fahrzeug gekauft und es treten plötzlich Mängel auf, werden Käufer häufig von Händlern mit dem Argument abgespeist, es handle sich bei diesem Fehler um normalen Verschleiß.

Deine Rechte als Käufer
Dem Käufer steht innerhalb von zwei Jahren nach Übergabe der Kaufsache bei Vorliegen eines Mangels zunächst ein Recht auf Nacherfüllung zu, das wahlweise aus Nachbesserung (Reparatur) oder Nachlieferung (Lieferung einer neuen Sache) besteht. Beim Gebrauchtwagenkauf kann diese Frist vertraglich auf ein Jahr verkürzt werden. Privatverkäufer können die Sachmangelhaftung per Vertrag ausschließen.
 
Der Verkäufer schuldet laut Gesetz den „üblichen Zustand“
Sachmangel oder Verschleiß, was ist ein üblicher Zustand? Diese Frage stellt sich den streitenden Vertragspartnern nach einem Gebrauchtwagengeschäft häufig. In der Folge beschäftigen sich Richter, Rechtsanwälte und Sachverständige mit der Auslegung der gesetzlichen Vorgaben zur Sachmängelhaftung. Dabei ist die Rechtsprechung nicht immer einheitlich. Die Auslegungsschwierigkeiten sind deshalb auch für Experten mit der Kenntnis der bisherigen Urteile nicht unbedingt gelöst.
 
So haben bislang die Gerichte entschieden
Eine Liste mit den Urteilen zu Mangel oder Verschleiß und ein enstprechendes Musterschreiben findest du hier.

Auch mit dieser umfangreichen Urteilssammlung sind freilich nicht alle denkbaren Defekt-Konstellationen erläutert, viele Teile eines Autos kommen hier einfach nicht vor, Alter und Laufleistung variieren. Häufig werden deshalb im Streitfalle Kfz-Sachverständige hinzugezogen. Dann werden Fragen geklärt, wie z.B. ob der Defekt eines Scheibenwischermotors bei einem fünf Jahre alten Fahrzeug mit einer Laufleistung von 80.000 Kilometern als Verschleiß oder als Sachmangel zu bewerten ist.
 
Üblicherweise ist ein Auto in Ordnung
Defekte am Auto sind grundsätzlich – in Abhängigkeit von Alter und Laufleistung – nicht üblich, sondern die Ausnahme. Das Auswerten externer und interner Statistiken durch unsere Experten zeigte: Bis mindestens zu einem Alter von 10 Jahren und einer Laufleistung von 150.000 Kilometern ist der übliche Zustand eines Fahrzeuges grundsätzlich „funktionsfähig“. Naturgemäß können zwar einzelne Bauteile jederzeit ausfallen, was aber selten der Fall ist und deshalb nicht dem üblichen Zustand entspricht.
 
Nicht alles am Auto hält „ewig“ – typische Verschleißteile
Nicht alle Teile an einem Auto können für ein ganzes Autoleben konstruiert werden. Dafür gibt es physikalische und chemische Gründe. Dies sind typische Verschleißteile, die aufgrund einer offensichtlichen Abnutzung im Bedarfsfalle ausgetauscht werden müssen:

  • Abgasanlage: Rohre und Schalldämpfer (wenn nicht vom Hersteller auf Fahrzeuglebenszeit ausgelegt)
  • Glühkerzen/Glühstifte
  • Kupplung
  • Bremsscheiben
  • Bremsbeläge/Bremsklötze
  • Batterien
  • Reifen
  • Lampen
  • Scheibenwischer

Herstellervorgaben definieren die Wechselintervalle für Teile, deren Abnutzung oder Verbrauch nicht ohne weiteres offensichtlich ist. Von allen Teilen, für die in den Wartungsvorgaben des Fahrzeug-Herstellers ein festes Wechselintervall vorgeschrieben ist, kann erwartet werden dass wenigstens dieses Alter/Laufleistung erreicht wird. Für folgende Teile gibt es beispielsweise von vielen Herstellern konkrete Wechselintervalle:

  • Filter
  • Zahnriemen und Spannvorrichtung nebst Spannrolle
  • Wasserpumpe
  • Zündkerzen

Bei einem Defekt/Ausfall eines Verschleißteils oder Bauteils mit Wechselintervall vor der Abnutzungs- bzw. Wechselgrenze besteht bei sachgemäßer Nutzung grundsätzlich Anspruch auf Sachmängelhaftung.



Viele Tipps zum Gebrauchtwagenkauf und eine Gebrauchtwagencheckliste findest du hier im jungen Portal.

Weitere Informationen, was zu tun ist, wenn du einen mangelhaften Gebrauchtwagen verkauft bekommen hast, findest du hier.