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Die häufigsten Rechtsirrtümer beim Gebrauchtwagenkauf

Wenn ihr einen Gebrauchtwagen kaufen wollt, ergeben sich viele Fragen. Auch was juristisch richtig und wichtig ist, rund um den Gebrauchtwagenkauf, ist oft nicht so eindeutig, wie ihr vielleicht vermutet. Hier die wichtigsten Rechtsirrtümer rund um den Gebrauchtwagenkauf.

1. Beim Autokauf brauche ich einen schriftlichen Kaufvertrag.
Nein. In Deutschland müssen nur wenige Geschäfte schriftlich abgeschlossen werden. Der Autokauf ist problemlos mündlich möglich – und verbindlich. Aber: Aus Beweisgründen raten wir von einem mündlichen Vertrag dringend ab. Einen entsprechenden Mustervertrag findet ihr hier.

2. Ich kann vom Kaufvertrag/Autokauf binnen zwei Wochen zurücktreten.
Nein. Das wird im Einzelhandel zwar oftmals gestattet, ist aber auch dort nur eine Kulanzregelung ohne rechtlichen Anspruch. Verträge sind bindend und müssen eingehalten werden. Das Gesetz gewährt dir nur in wenigen Sonderkonstellationen ein "Reueerecht", wenn du von einem Unternehmer kaufst. Dies gilt etwa bei Fernabsatz- und Kreditverträgen sowie bei Verträgen die außerhalb von Geschäftsräumen geschlossen werden (z.B. auf einer Messe).

3. Jeder Autoverkäufer haftet für Mängel am Fahrzeug.
Laut Gesetz ja. Der Händler haftet für zwei Jahre, darf aber diese Frist beim Gebrauchtwagenkauf auf ein Jahr verkürzen. Der Privatverkäufer haftet zwar grundsätzlich auch, er darf aber die Sachmängelhaftung (bis 2001 noch Gewährleistung genannt) im Vertrag völlig ausschließen – was ADAC Juristen euch als Verkäufer dringend empfehlen.

4. Der Händler haftet für alle Defekte.
Nein: Der Händler haftet nicht für Fehler, die keinen Mangel im Rechtssinn darstellen - also nicht für normalen Verschleiß (je nach Alter und Laufleistung des Autos, z.B. Bremsen). Außerdem besteht die Haftung nur für Mängel, die bei Übergabe vorgelegen haben. In den ersten sechs Monaten nach Übergabe wird aber gesetzlich vermutet, dass ein Mangel bei Übergabe schon vorhanden war.

5. Tritt nach dem Kauf ein Mangel am Fahrzeug auf, kann ich ihn in jeder beliebigen Werkstatt auf Kosten des Händlers reparieren lassen.
Nein. Dem Verkäufer steht das Recht auf Nachbesserung zu. Die Kosten der „fremden“ Werkstatt kannst du ihm also nicht in Rechnung stellen. Dies geht erst dann, wenn der Verkäufer die Nachbesserung endgültig verweigert oder eine dafür gesetzte Frist verstreichen lässt (Verzug).

6. Ich kann einem Händler das Auto zurückgeben, wenn nach dem Kauf ein Mangel (z.B. Motorschaden) auftritt.
Nein, nicht sofort. Auch hier gilt: Der Händler/Verkäufer muss die Möglichkeit zur Nachbesserung bekommen (in der Regel zwei Versuche). Erst wenn diese scheitert oder verweigert wird, gibt es die Möglichkeit, den Kaufpreis zu mindern oder vom Kauf zurückzutreten.
 
7. Beim Autokauf im Internet kommt der Vertrag erst bei der Übergabe des Fahrzeugs zustande.
Normalerweise ja. Autobörsen wie etwa mobile.de oder autoscout24.de funktionieren wie Kleinanzeigen in Zeitungen: Man bekommt eine Telefonnummer und eine E-Mail-Adresse zur Kontaktaufnahme. Aber: Es wird oft übersehen, dass auch problemlos per E-Mail einen Vertrag geschlossen werden kann – wenn ihr zum Beispiel schreibt: „Ich nehme das Fahrzeug.“ Dann gilt das.

8. Versteigerungs-Plattformen wie Ebay funktionieren nach dem gleichen Prinzip wie mobile.de und autoscout24.de.
Nein. Wenn ihr die Höchstbietenden seid, kommt der Kaufvertrag schon mit dem Zuschlag zustande. Alle etwaigen Fragen (z.B. zur Sachmängelhaftung) müssen vorher geklärt werden. Ein Widerrufsrecht besteht nur noch, wenn ein gewerblicher Verkäufer versteigert.