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Gebrauchtkauf von Motorrädern und Mopeds


Von Privat kauft man billig, dafür ist der Kauf beim seriösen Händler sicherer - so die gängigen Klischees zum Gebrauchtkauf von Motorrad, Leichtkraftrad, Roller oder Mofa. Die Wahrheit liegt wahrscheinlich dazwischen, denn natürlich gibt es ebenso unseriöse Händler wie überteuerte private Angebote.

 
Für den bequemen Käufer: Kauf beim Händler

Wenn du gern durch Gassen von geputzten Motorrädern (bzw. Rollern, Mopeds etc.) schlenderst und in Ruhe Typen und Preise vergleichst, ist der Kauf beim Händler für dich das Richtige. Die Vorteile:

  • Die Motorräder werden, bevor sie geputzt in den Ausstellungsraum kommen, mit einer Eingangsinspektion bedacht – zumindest bei den seriösen Händlern. Häufig ist eine Garantie schon im Kaufpreis enthalten, die gegen Aufpreis verlängert werden kann. Für die Bezahlung bieten die Händler häufig Finanzierungsmöglichkeiten an.
  • Du brauchst nicht stundenlang nacch passenden Angeboten zu surfen und herumzutelefonieren, um festzustellen, dass bei dem Schnäppchen niemand ans Telefon geht. Du brauchst nicht hunderte Kilometer zurückzulegen, um die Erfahrung zu machen, dass nicht jeder private Anbieter wahrheitsgemäße Angaben über den Zustand seiner Maschine macht.

Der Kauf von Privat:
Neben dem Risiko, das du als Käufer eines gebrauchten Motorrades von Privat zweifelsfrei eingehst, hat der Erwerb einer Maschine aus zweiter oder dritter Hand auch Vorteile:

  • Der Wertverlust eines neuen Motorrades liegt in den ersten zwei Jahren meist zwischen 20 und 30 %. Eine so hohe Abwertung erfährt das Motorrad  im späteren Leben nicht mehr.
  • Auf dem Gebrauchtmarkt kannst du fast immer ein zu deinem Budget  "passendes" Motorrad finden. Als Fahranfänger kannst du so ausprobieren, ob der Motorradtyp zu dir passt, ohne dass du dabei pleite gehst.
  • Ein neues Motorrad bedarf während der Einfahrzeit meist einer besonderen Behandlung und sollte außerdem zum Erhalt der Garantieansprüche regelmäßig für Inspektionen in Fachwerkstätten gegeben werden. Diesen Aufwand ersparst du dir als Gebrauchtkäufer, wenn du einfache Wartungsarbeiten selbst durchzuführst.
  • Wer Ahnung von Technik hat und gut beim Preispoker ist, der kann beim Kauf von Privat Schnäppchen schlagen, während professionelle Händler den Wert ihrer Maschinen meist sehr gut kennen.
    Beim Händler darf ein Motorrad schon mal länger im Verkaufsraum stehen, der Händler wird bei den Presiverhandlungen recht starr bleiben. Beim privaten Verkäufer muss das Motorrad meist schnell weg, sei es des Platzes oder des Geldes wegen. Da ist oft einger Verhandlungsspielraum für dich gegeben.

 

Motorrad-Suche via Internet oder Zeitung
Motorradfans finden ein großes Angebot gebrauchter Motorräder von Privat und Händlern im Internet. Via Deteilsuche kannst du gleich nach Marke, Baujahr, Typ und Preisvorstellung filtern und eine Übersicht der angebotenen Maschinen ansehen. Viele Angebote sind mehrfach bebildert, so dass du schon vorab einen konkreten Eindruck des Motorrades bekommst.
Natürlich werden auch viele Maschinen in der Zeitung oder in Kleinanzeigern angeboten. Hier ist dein telefonischer Erstkontakt mit dem Verkäufer wichtig, denn du solltest am Telefon schon möglichst viel zu der Maschine erfahren, damit du nicht umsonst zur Besichtigung fährst oder vor Ort erst merkst, dass die Maschine nicht in Frage kommt. (Siehe Fragenliste im nächsten Reiter).
Tipp: Mit Hilfe einer Tabelle (in die Spalten kommen die wichtigsten Angaben aus den einzelnen Annoncen, in die Zeilen die Stichworte: Name, Adresse, Baujahr, Laufleistung, Preis, Vorbesitzer, TÜV, Anmeldung, Originalzustand, Ersatzteile) kannst du die wichtigen Punkte einfach systematisch abfragen. Danach kannst du schon zu Hause selektieren, was nicht in Frage kommt.

Egal ob du dein Angebot via Internet oder Kleinanzeige gefunden hast, auf Besichtigungstour gehst du  am besten mit einem Begleiter, der etwas von Motorrädern versteht.Vier Augen sehen mehr als zwei!

Preise, Preisfindung und Preislisten
Das Studium von Anzeigen im Internet, in Fachzeitschriften und lokalen Zeitungen vermittelt am schnellsten einen Überblick über Angebote und Preise von gebrauchten Motorrädern.

Über angemessene Gebrauchtpreise informieren die schwackeLISTE Zweirad von eurotaxSCHWACKE oder der DAT Marktspiegel der DAT Deutsche Automobil Treuhand.
Diese Gebrauchtpreislisten erscheinen vierteljährlich (schwackeLISTE) bzw. monatlich (DAT Marktspiegel) und enthalten jeweils eine Einkaufs- und eine Verkaufsnotierung. An der niedrigeren Einkaufsnotierung orientieren sich die Gebrauchthändler bei der Inzahlungnahme von Motorrädern, an der höheren Verkaufsnotierung orientieren sich die verkaufenden Händler und die meisten privaten Verkäufer.

Als ADAC Mitglied findest du die Gebrauchtpreisnotierungen für Motorräder auch im Internet, hier . Bei der Fahrzeugart bitte "Krafträder" auswählen.
Bei Motorrädern empfiehlt es sich meist, den Link „Kfz-Schein liegt nicht vor“ anzuklicken. Alle weiteren Schritte erklären sich von selbst.

Die Preise in den Gebrauchtpreislisten sind nicht verbindlich, sondern stellen nur eine Orientierungshilfe dar, einen Mittelwert, denn es bestehen große Preisunterschiede zwischen Preisen in Ballungszentren und ländlichen Regionen.
Die Preise beziehen sich grundsätzlich auf unfallfreie, betriebs- und verkehrssichereSerienmotorräder in einem durchschnittlichen, dem Alter entsprechenden Zustand, deren nächste Überprüfung nach § 29 StVZO frühestens in einem Jahr ansteht und deren Die Bereifung höchstens zu fünfzig Prozent abgenutzt ist. Diesen hohen Anspruch wird kaum ein gebrauchtes Motorrad erfüllen, zumal bereits ein umgestürztes Zweirad im juristischen Sinne nicht mehr als unfallfrei gilt, wenn dabei ein Schaden entstanden ist.


Motorräder mit vielen Umrüstungen


Wird ein Motorrad angeboten, das nicht mehr dem Serienzustand entspricht, sondern mit vielen Zubehör- und Ersatzteilen ausgerüstet ist, wird eine realistische Preisfindung schwierig. Zur Prüfung, ob dem An­gebot irgendein eine vernünftige Kalkulation zu Grunde liegt, sollte dir der Verkäufer Rechnungen für Zusatzteile vorlegen können. Auch das Studium von Kleinanzeigen in entsprechenden Spezialzeitschriften kann Aufschluss über angemessene Preise geben. Grundsätzlich fließt Zubehör je nach Alter und Funktion mit höchstens 50 bis 60 % des Neupreises in den Gebrauchtpreis des ganzen Motorrades ein.

Als Käufer solltest du prüfen, ob dir die Umbauten überhaupt sinnvoll erscheinen. Hast du an den Umrüstungen kein Interesse, solltest du dem Verkäufer deut­lich machen, dass du nicht bereit bist, hierfür einen hohen Mehrpreis zu zahlen.

Den Verkäufer richtig befragen
Besonders wenn für dich die Besichtigung der Gebrauchtmaschine mit großem Aufwand (z.B. weite Anfahrt, Beschaffung eines roten Kennzeichens) verbunden ist, solltest du vorab möglichst viele Details über die angebotene Maschine erfahren, um zu entscheiden, ob sich der Aufwand lohnt. Folgende Fragen helfen dir:

  • Ist der Verkäufer der Eigentümer oder nur derzeitiger Besitzer?
    Der Eigentümer kann meist verbindlichere Aussagen zu den verschiedenen Fragen machen als ein Verkaufsbevollmächtigter. Auch die Preisverhandlungen gestalten sich mit dem Eigentümer meist unkomplizierter.
  • Wie lautet die genaue Modellbezeichnung? Welche Leistungsvariante?
    Gelegentlich werden in Anzeigen irrtümlich falsche Modellbezeichnungen oder Leistungsvarianten angegeben.
  • Stammt das Motorrad von einem inländischen Hersteller, offiziellen Importeur oder ist es ein Reimportfahrzeug?
    Bei reimportierten Motorrädern kläre bitte, ob der entsprechende Stempel des ausländischen Händlers in den Service-Unterlagen (Service- oder Kundendienstheft) vorhanden ist. Außerdem ist eine realistische Gebrauchtpreisfindung bei reimportierten Fahrzeugen schwieriger als bei Fahrzeugen, die über das offizielle inländische Vetriebsnetz des Importeurs verkauft wurden.
  • Wann wurde das Motorrad erstmalig in Deutschland zugelassen?
    Von dem Erstzulassungsdatum hängt ab, ob die Gewährleistungs- und die Garantiefrist abgelaufen sind. Außerdem wurden in den letzten Jahren Abgas- und Geräuschvorschriften für motorisierte Zweiräder verschärft. Daher wurden neuere, modellgepflegte Typen leiser und zum Teil leistungsschwächer haben dafür aber meist eine hochwertigere Ausstattung.
  • Wie hoch ist die tatsächliche Kilometerleistung? Stimmt sie mit dem Tachostand überein?
    Wenn hier keine Übereinstimmung besteht, stellt sich die Frage nach dem Warum. Auskünfte wie "Laut Tacho" sollten dich misstrauisch machen.
  • Ist das Motorrad unfallfrei?
    Auch wenn sich das am Telefon nicht prüfen lässt, kannst du es vielleicht bei der Besichtigung checken. Widersprüchliche oder keine klaren Aussagen sollten dich aufmekrsam machen.
  • Wie viele Vorbesitzer hatte das Motorrad bereits?
    Viele Vorbesitzer sind ein Hinweis dafür, dass sie mit dem Motorrad nicht zufrieden waren. Warum?
  • Ist das Motorrad noch zugelassen oder muss ein ein Kurzzeitkennzeichen für die Probefahrt und ggf. Überführung beantragt werden? Letzteres ist dann Aufgabe des Verkäufers, der über alle Papiere verfügt. Details zu Kurzzeitkennzeichen kannst du auf den Internet-Seiten deiner zuständigen Zulassungsstelle finden.
  • Ist eine Probefahrtmöglich?
    Du meinst, das ist selbstverständlich? Nicht unbedingt. Nicht jeder Edelbike-Eigentümer will sein schönstes Stück einem Fremden anvertrauen, zumal  vermeintliche, kriminelle Kaufinteressenten schon von Probefahrten nicht zurückgekehrt sind. Frage deswegen gleich nach, ob du selbst mit dem Motorrad fahren kannst und ob der Verkäufer an die Überlassung des Motorrades Bedingungen knüpft (z.B. Hinterlegung eines Pfandes oder des Kaufpreises in bar).
  • Ist der Fahrzeugbrief der erste oder ein Ersatzbrief? Wenn es ein Ersatzbrief ist, warum?
    Wenn seit dem Herbst 2005 Änderungen in den Fahrzeugpapieren notwendig waren, so wurden die neuen Zulassungsbescheinigungen Teil I und II ausgestellt. Aus diesen Papieren gehen die Zahl und die Daten der Vorbesitzer nicht mehr hervor. Die alten Fahrzeugpapiere werden in diesen Fällen für ungültig erklärt und dem Halter entwertet ausgehändigt. Frage dann, ob der „alte Fahrzeugbrief“ noch verfügbar ist, da er deutlich mehr Informationen enthält.
    Ersatzbriefe (alte Fahrzeug-Papiere) weisen darauf hin, dass die sechs Vorbesitzer den ersten Brief bereits gefüllt haben, dass mehrere wichtige Änderungen an dem Motorrad vorgenommen wurden (z.B. Leistungsänderungen), dass das Motorrad früher länger als ein Jahr abgemeldet war (Gutachten nach § 21 StVZO) oder der erste Fahrzeugbrief verloren gegangen ist.
  • Sind alle Bauteile original oder wurden Fremdteile bzw. Fremdzubehör montiert?
    Wenn fremde Teile montiert wurden, die die Betriebserlaubnis betreffen: Sind die Zubehör- oder Anbauteile in den Fahrzeugbrief eingetragen bzw. liegt für das Zubehörteil eine ABE oder eine Unbedenklichkeitserklärung des Herstellers vor? Sind die Fremdteile Markenprodukte? Sie die Originalteile noch vorhanden?
    Die Klärung dieser Fragen hat besondere Bedeutung für Änderungen, die die Abgasqualität und das Geräuschverhalten betreffen. Änderungen an Vergaser, Einspritzanlage, dem Motor selbst oder der Auspuffanlage sollten im Brief oder als ABE dokumentiert sein.
  • Wurden die fälligen Inspektionen regelmäßig durchgeführt?Das Kundendienstheft gibt Aufschluss darüber. Prüfe die Aussagen des Verkäufers bei der Besichtigung.
    Bei welcher Werkstatt wurde die Inspektion durchgeführt? Ist die Qualität ihrer Arbeiten bekannt? Von wem wurden die Wartungsarbeiten durchgeführt, wenn die Inspektionsnachweise fehlen? Welche Qualifikation hat er? Ein unvollständig ausgefülltes Kundendienstheft muss nicht immer ein K.O.-Kriterium sein: Ausreichend qualifizierten Fahrer oder Eigentümer pflegen oder warten ihre Maschine oft selbst.
    Technik- und sicherheitsbewusste Motorradfahrer sind meist bemüht, ihr Motorrad in möglichst optimalen Zustand zu halten. Um dies beurteilen zu können, solltest du bei der Besichtigung auch darauf achten, ob der Verkäufer einen kompetenten Eindruck macht, eine entsprechende Werkstatt vorhanden ist, andere Motorräder vorhanden sind, der Verkäufer ein „Motorradfreak“ ist. Meist entscheidet auch dein Bauch mit darüber, ob dem Verkäufer zu vertrauen ist.
  • Sind in letzter Zeit Teile des Motorrads überholt worden?Wenn ja: Sind Rechnungen für Ersatzteile und Arbeiten vorhanden? Wann wurden die Arbeiten durchgeführt und von wem?
  • Werden übrige Zubehörteile mit angeboten? In welchem Zustand sind sie?
    Beispiele: Tankrucksack für Enduros, Koffer für vorhandenen Kofferträger, andere Sitzbank, Kleidung. Häufig kann der Verkäufer spezifisches Zubehör nicht weiter verwenden. Er hat dann vielfach ein Interesse, auch dieses Zubehör zu verkaufen.
  • Wo wohnt der Verkäufer, wie ist er zu erreichen? Wo kannst du die Maschine besichtigen?