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Tödlicher Nervenkitzel: Illegale Straßenrennen

ADAC: Illegale Autorennen

In einigen deutschen Städten macht sich ein Phänomen breit: illegale Straßenrennen. In Köln ist die Szene besonders aktiv. 2015 starben dort drei Unbeteiligte, nachdem die Fahrer die Kontrolle über das Fahrzeug verloren hat.

In letzter Zeit häufen sich illegale Autorennen in Deutschland. Das Phänomen ist hierzulande relativ neu. In den USA fanden derartige Rennen bereits in den 1990er- und 2000er-Jahren statt, daraus entstand ein Kult um die Adrenalinjunkies in aufgemotzten Serienfahrzeugen und das schlug sich im Erscheinen von Computerspielen wie "Need for Speed" oder des mehrteiligen Films "The Fast and the Furious" nieder.

Hierzulande verlaufen illegale Rennen häufig so: Zwei Autos halten an einer roten Ampel. Die Fahrer verständigen sich, bei Grün startet das Rennen. Wer die nächste Ampel zuerst erreicht, hat gewonnen. So einfach, so gefährlich - vor allem für Unbeteiligte.

In Köln starben im ersten Halbjahr bereits drei Menschen deswegen. Häufig verloren die Hobby-Piloten die Kontrolle über ihr Gefährt.

 

Momentane Gesetzeslage

Werden bei solchen Rennen Unbeteiligte verletzt, kann das zu einer Gefängnisstrafe für den Unfallverursacher führen. Die Regelungen lauten derzeit so: Gefährdet der Fahrer eines illegalen Rennens im öffentlichen Verkehr Personen oder Gegenstände, kann das als Straftat geahndet werden (§315 StGB). Es droht eine Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren oder eine Geldstrafe in Kombination mit zwei bis drei Punkten.

Wer als Fahrer teilnimmt, zahlt 400 Euro Strafe, bekommt zwei Punkte in Flensburg und muss mit einem Fahrverbot rechnen. Auch Beifahrer, die wissen, dass sie an einem Rennen teilnehmen, können belangt werden. Erfährt die Polizei im Vorfeld von der illegalen Veranstaltung, kann sie beteiligte Autos konfiszieren. Der Veranstalter zahlt zwischen 60 und 500 Euro und bekommt einen Punkt in Flensburg.


Verstößt ein Fahrer mehrfach gegen das Gesetz und nimmt immer wieder an illegalen Rennen teil, kann eine Medizinisch-psychologische Untersuchung (MPU) angeordnet werden. Wenn sich der Betroffene weigert, daran teilzunehmen, kann die Polizei ihm die Fahrerlaubnis entziehen.

 

Katz-und-Maus-Spiel mit der Polizei

In der Realität haben die Regelungen wenig Abschreckungspotenzial. Häufig finden die Rennen spontan statt. Wenn die Polizei benachrichtigt wird, sind die kurzen Sprints meist schon vorbei. Häufig bleibt ihr nur, dort Kontrollen durchzuführen, wo sie unerlaubte Rennen vermutet.

Ein Katz-und-Maus-Spiel: Die Rennfahrer messen sich meist an mehreren Spots und sind untereinander gut vernetzt. Wenn du Zeuge eines unerlaubten Rennens wirst, solltest du das der Polizei melden. Am besten Kennzeichen und Fahrzeugtyp aufschreiben und anrufen, empfehlen die Ordnungshüter.

 

Junge Fahrer intensiver betreuen

Ulrich Klaus Becker, ADAC-Vizepräsident für Verkehr, meint dazu: "Wer derart verantwortungslos mit einem Pkw oder einem Motorrad umgeht und andere in Gefahr bringt, muss bestraft werden. Viel wichtiger ist es jedoch, die jungen Leute bereits während der Fahrausbildung zu erreichen. Sie sollten deutlich intensiver betreut werden – und zwar über die Führerscheinprüfung hinaus. Beispielsweise können verkehrspsychologische Seminare oder professionell durchgeführte Begleitfahrten dazu beitragen, die für diese Altersgruppe typische Risikoneigung zu reduzieren. Länder wie die Schweiz oder Österreich haben uns bereits sehr erfolgreich gezeigt, was eine Verlängerung der Fahrausbildung bewirken kann."