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Im Sommer unterwegs: Was ist erlaubt, was nicht?

Sonne und Sommerlaune, Ferien und Freizeit sorgen im Straßenverkehr leider nicht für unbegrenzte Freiheit. Die StVO gilt auch bei 30°C, es gibt kein hitzefrei! Hier sind unsere Tipps für typische Sommersituationen auf der Straße.

Musikgenuss oder Verdruss?  
Wie laut darfst du während der Cabriofahrt den Sound deiner Anlage ausreizen? Die gute Nachricht: Der Lautstärkepegel ist gesetzlich nicht geregelt. Die StVO schreibt vor, dass das Hörvermögen des Fahrers während der Fahrt nicht beeinträchtigt sein darf und verbietet allgemein die Verursachung unnötigen Lärms bei der Benutzung von Fahrzeugen. Wann genau die Grenze zur Belästigung jedoch überschritten wird, ist nicht geklärt.
Unser Tipp: Wir raten dir, die Musik nur so weit aufzudrehen, dass du die umgebenden Straßengeräusche (ganz wichtig: Hupen und Signaltöne) sehr gut hören kannst. Dein Nachbar an der Ampel sollte sich nicht zu dir umdrehen, weil er deine Beats mitklopfen kann. Bei einem Verstoß droht dir ein Verwarnungsgeld von 10,- €!

 
Im Bikini mit Flip Flops Gas geben?
Grundsätzlich spricht nichts dagegen, sich mit Flip Flops oder sogar barfuß hinters Steuer zu setzen. Allerdings kannst du im Falle eines Unfalls Probleme bekommen. Vor Gericht wird dein lockeres Schuhwerk möglicherweise als Verstoß gegen die Sorgfaltspflicht gewertet, wodurch ein Mitverschulden deinerseits am Unfall festgestellt werden kann. Zusätzlich könnte in diesem Fall auch die Vollkaskoversicherung ihre Leistungen teilweise oder sogar ganz verweigern.
Wer bei großer Hitze in Badehose oder Bikini ins Auto steigen möchte, kann dies tun. Es ist nicht verboten, sich leicht bekleidet hinters Steuer zu setzen.
Unser Tipp: Zieh auf der Fahrt zum See feste Schuhe an und wechsel vor Ort auf die entspannten Zehentrenner! Dann fährst du sicher.


Besser Schlangenlinien rollen als laufen? 
Wenn du den Hinweg zur Sommerparty mit deinem Fahrrad erledigst, hast du damit noch keinen Freifahrtschein in Sachen Alkoholkonsum. Auch als Radfahrer kannst du dich bei einer Alkoholisierung ab 1,6 Promille wegen einer Trunkenheitsfahrt strafbar machen. Kommt es durch deinen Alkoholgenuss zu Ausfallserscheinungen, wie etwa Fahren in Schlangenlinien, genügen schon geringere Werte.
Die Alkoholfahrt mit dem Rad führt zu einer empfindlichen Geldstrafe: ab 1,6 Promille wird die Fahrerlaubnisbehörde zwingend eine medizinisch-psychologische Untersuchung anordnen. Dabei musst du dann nachweisen, dass du vor dem Fahren mit Auto oder Moped auf keinen Fall etwas trinken würdest. Kannst du das Gutachten nicht rechtzeitig vorgelegen, so muss die Führerscheinstelle davon ausgehen, dass du zum Führen von Kraftfahrzeugen ungeeignet bist und entzieht dir daher den Führerschein. Dann hast du zwar dein Auto vor der Party zuhause stehen lassen, bist aber den Lappen trotzdem los!
Alkohol auf dem Rad kann weitergehende Folgen haben. Der Bayerische Verwaltungsgerichtshof legte fest, dass dir auch die Teilnahme am Straßenverkehr mit fahrerlaubnisfreien Fahrzeugen (also einem Rad) untersagt werden kann, wenn dies für die Sicherheit anderer Verkehrsteilnehmer erforderlich ist. Dann wäre der Führerschein weg und auch dein Fahrrad stünde nur noch zur Zierde in der Garage!
Unser Tipp: Bist du nach einer Party nicht mehr topfit, teilt euch ein Taxi nach Hause! Geht für dich insgesamt deutlich günstiger aus, als massiver Ärger, wenn die Polizei dich betrunken vom Rad pflückt.
 

Verdunkelungstaktik erlaubt?
Darfst du deine Autofenster zum Schutz vor der heißen Sonne verdunkeln?
Solange dadurch dein Sichtfeld als Fahrer nicht beeinflusst wird, dürfen die hinteren Scheiben verklebt werden. Die Windschutzscheibe und die vorderen Seitenfenster müssen aber in jedem Fall frei bleiben. Allerdings darf zum Verkleben nur eine speziell zugelassene Folie verwendet werden. Übrigens: Auch nicht jede Sonnenbrille eignet sich zum Autofahren. Zu dunkle oder zu knallige Gläser können die Farben von Ampeln und Verkehrsschildern verfälschen. Deswegen sollte die Tönung deiner Brillengläser höchstens 75 Prozent betragen.
Unser Tipp: Verwende statt Folie besser Sonnenschutz, der mit Saugnäpfen an den Fensterscheiben befestigt werden kann. Diesen nach Bedarf einsetzbaren Auto-Sonnenschutz gibt es mit richtig schrägen Aufdrucken! Echte Hingucker! Achte aber auf ein freies Sichtfeld für dich als Fahrer sonst droht ein Bußgeld von 10 bis 80 Euro. Lass auch bei verdunkelten oder abgehängten Scheiben niemals deinen Hund im Auto, das Wageninnere kann sich sehr schnell auf über 60°C erhitzen. Für deinen Vierbeiner lebensgefährlich!

Grill, Schlauchboot und sechs Mann im Auto?
Ganz egal wie kurz die Strecke ist, auch auf dem Sprung zum See gilt: Die zugelassene Personenzahl für dein Auto darf in keinem Fall überschritten werden! Das bedeutet, dass du nur so viele Leute bei dir mitfahren dürfen, wie Sicherheitsgurte vorhanden sind. In Fahrzeugen, für die keine Ausrüstungspflicht besteht, zum Beispiel Oldtimer, darf die Anzahl der mitfahrenden Personen die Anzahl der vorhandenen Sitze nicht überschreiten.
Badeutensilien wie Luftmatratzen oder Schlauchboote dürfen generell auf dem Autodach festgebunden werden. Die Ladung muss jedoch immer so gesichert sein, dass sie selbst bei Vollbremsungen oder plötzlichen Ausweichmanövern nicht wegrutschen oder runterfallen kann. Wenn die Ladung nicht ausreichend gesichert ist, droht ein Bußgeld von 35 bis 60 Euro.
Unser Tipp:
Frag deine Freunde, vielleicht steigt einer freiwillig auf's Fahrrad um und radelt zum Badeplatz! Fahrt lieber mit zwei Autos, bevor ein Polizist euch mit dem kompletten Fußballteam im Kleinwagen erwischt!
 

Gartendusche für Mann und Maschine?
Im Sommer ist die Fahrzeugwäsche im Freien beliebt, aber nicht wirklich klug. Die Gemeindeordnung deines Heimatortes regelt, ob die Fahrzeugwäsche am Straßenrand oder auf eurem Privatgrundstück erlaubt ist. Meist ist dies wegen der Grundwasserverunreinigung verboten. Ein bundeseinheitliches Verbot gibt es aber nicht. Ganz sicher gehst du, wenn du dein Fahrzeug in Waschstrassen wäscht. Hier verhindern spezielle Abscheider, dass Öl- und Schmierstoffe, die beim Waschen entfernt werden, in das Grundwasser gelangen. Der Wasserverbrauch dort wurde dank umweltschonender Techniken so optimiert, dass das Wasser für mehrere Autowäschen verwendet werden kann. Wäscht du dennoch dein Auto oder Moped zu Hause oder auf der öffentlichen Strasse, riskierst du in den meisten Fällen ein Bußgeld.
Unser Tipp:
Fahr zur Waschstraße oder zur Selbstwascheinrichtung, dann sparst du dir das Bußgeld und das Aufräumen danach!

 

Camping mit dem Bus und den Jungs - pure Freiheit?
Wenn ihr euren Campingbus auf einer öffentlichen Straße abstellt, dürft ihr darin auch übernachten, sofern es nicht durch Schilder verboten ist. Eine einmalige Übernachtung im Wohnmobil oder Wohnwagen verstößt nicht gegen den Grundsatz des Gemeingebrauchs, wonach die Straße vorwiegend zum Zwecke des Verkehrs zu benutzen ist. Als Fahrer bist du sogar verpflichtet, Fahrten in übermüdetem Zustand zu vermeiden. Der Gemeingebrauch wird jedoch überschritten, sobald das Parken campingähnlich wird, wenn ihr zum Beispiel Tische und Stühle aufgestellt. Auch wenn Fahrten in den Urlaub oft langweilig sind - deine Mitfahrer dürfen nicht im Wohnwagen oder Wohnmobil herumtoben. Auch in Wohnmobilen müssen alle Passagiere angeschnallt auf den Sitzen bleiben.
Unser Tipp: Fahrt einfach auf einen Campingplatz, dort steht eurem Spaß nichts im Wege!