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Dein ungewollter Begleiter am Morgen danach: Restalkohol

Nach einer richtig guten Party, einem rauschenden Fest, wachst du morgens nicht allein auf. Auch wenn es mit dem Flirten nicht rund lief und du alleine nach Hause gegangen bist, ist ein treuer Begleiter wahrscheinlich trotzdem noch bei dir: der Restalkohol.

Kein Probelm meinst du, denn eine sprudelnde Vitamin-Tablette, zwei Tassen Kaffee und ein paar saure Gurken machen dich schon wieder startklar? Weit gefehlt. Nichts davon hilft, den Alkohol aus deinem Körper zu vertreiben und dich fit zu machen fürs Autofahren. Kein Rollmops, keine Aspirin und keine kalte Dusche.

Alkohol und Autofahren – dass das nicht zusammenpasst, weißt du und bist nach der Party mit öffentlichen Verkehrsmittel nach Hause gekommen. Die Gefahr durch Restalkohol am nächsten Morgen unterschätzen jedoch die meisten Autofahrer und setzen sich mit reinem Gewissen gleich Morgens hinters Steuer.
Achtung: Wenn du einen Fahrfehler begehst, den Verkehr gefährdest oder gar einen Unfall verursachst, muss schon ab 0,3 Promille Blutalkohol mit einer Strafe und Führerscheinentzug rechnen. Übermüdung und der große Kater beeinflussen dein Reaktionsvermögen zusätzlich negativ.

Je nach Konstitution, Größe und Gewicht vertragen Menschen Alkohol völlig unterschiedlich. Eine Beispielrechnung zeigt die Gefahr: Ein Mann mit 80 Kilo Gewicht trinkt von 20 Uhr bis ein Uhr morgens pro Stunde je einen halben Liter Bier und je einen Schnaps. Dann hat er rund 1,55 Promille im Blut. Würde er jetzt noch fahren, gäbe es eine Geld- oder Freiheitsstrafe, drei Punkte im Fahreignungsregister in Flensburg, mindestens sechs Monate Führerscheinentzug, und vor der Wiedererteilung des Führerscheins würde ziemlich sicher eine medizinisch-psychologische Untersuchung (MPU) angeordnet. Auch beim Versicherungsschutz hätte der Mann Probleme: Es droht ein Regress in der Kfz-Haftpflichtversicherung bis 5 000 Euro und eine vollständige bzw. teilweise Leistungskürzung in der Kaskoversicherung. Erst gegen 14 Uhr kann dieser Mann damit rechnen unter 0,3 Promille im Blut zu haben.

Solche Promilleberechnungen können dir nur einen Orientierungswert bieten, denn dein Körper ist keine Maschine. Wie stark der Alkohol dich beeinflusst, hängt auch von deiner jeweiligen Tagesform ab, ob du beispielsweise etwas gegessen hast oder krank bist.

Wundermittel oder Promille-Abbau-Beschleuniger gibt es nicht. Dein Körper lässt sich nicht austricksen und baut pro Stunde nur etwa 0,1 Promille ab. Von Medikamenten solltest du als Autofahrer erst recht die Finger lassen, weil deren Wirkstoffe verheerende Wechselwirkungen auslösen können.

Bist du noch unter 21. Jahre alt oder Fahranfänger in der Probezeit gilt für dich sowieso null Promille. Für Radfahrer hat die Rechtsprechung die absolute Fahruntüchtigkeit auf 1,6 Promille festgelegt. Erreicht ein Fahrradfahrer diesen Wert, begeht er eine Straftat.

Gerichtsentscheidung zum Thema Restalkohol
Das Oberlandesgericht Saabrücken hatte im Oktober 2014 einen Fall zu entscheiden, bei dem es um Restalkohol ging.

Ein Autofahrer, der mit einer Alkoholisierung von 0,93 Promille ei-
nen Unfall verursachte, ist gegenüber seiner Kfz-Haftpflichtversicherung und seiner Kaskoversicherung wegen grob fahrlässiger Herbeiführung des Unfalls im Innenverhältnis zu 75% verantwortlich, entscheiden die Richter. Dies führte zu entsprechender Leistungskürzung und  einem Regressanspruch.

In Fällen, in denen ein Fahrer in Folge von alkoholbedingt erklärbarem Fehlverhalten von der Fahrbahn abkommt und gegen ein Hindernis prallt, ist davon auszugehen, dass dies eine typische Folge der Alkoholisierung ist. Der Autofahrer mag davon überzeugt gewesen sein, durch seinen Schlaf zwischen Alkoholkonsum und Weiterfahrt ausreichende Vorkehrungen gegen eine drohende Alkoholfahrt getroffen zu haben, jedoch war
der kurze Schlaf nicht geeignet, eine Alkoholfahrt auch nur ansatz-
weise zuverlässig zu vermeiden, argumentierte das Gericht.



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